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RFT (Rundfunk- und Fernmelde-Technik) war der Name eines Herstellerverbunds
von diversen Firmen der Nachrichtentechnik in der DDR. Das Kombinat, der VEB
R.F.T. war unter anderem Produzent von Elektronikartikeln. Bestehend aus
mehreren Betrieben, stellte er Heimelektronik-Geräte vor allem im HiFi-Bereich,
zum Beispiel Stereoanlagen und Fernsehgeräte her, anfänglich auch Tonbandgeräte
und Rundfunkgeräte. Sitz des Kombinats war Leipzig, Stammhaus für die Rundfunk-
und Fernsehgeräteproduktion war Staßfurt in Sachsen-Anhalt.
Ein weiterer Sektor waren Fernmeldeanlagen und Signaltechnik für Post,
Reichsbahn, Militär und Anlagenbau. Letztendlich aber war der RFT ein
Marken-Verband verschiedenster Herstellerlinien und Kombinate unter
einheitlichem Label, später auch mit "Rundfunk- und Fernseh-Technik" bezeichnet,
unter dem von der Elektonikröhre, über Transistor, Mikrochip, Kondensator,
Antennenanlage bis hin zum kompletten Kurzwellensender im 250 Kilowattbereich
alles vertrieben wurde, was die DDR-Nachrichtentechnik zu bieten hatte.
Firmengeschichte
Eine große Anzahl ursprünglich selbstständiger kleinerer und größerer Geräte-
und Apparatehersteller wurden im Laufe der Geschichte der DDR verstaatlicht.
Dazu gehörten auch Teile der ehemaligen Firmen Siemens, AEG und anderer
Großbetriebe. Einige kleinere Privatbetriebe erwischte es erst in den 1970er
Jahren. Aus all diesen Firmen wurde die VVB RFT Radio und Fernmeldetechnik
Leipzig gebildet, aus dem später das Kombinat hervorging. Die Produkte wurden
unter dem einheitlichen Label RFT hergestellt. Mit dieser Bezeichnung wurde
daher in der DDR so ziemlich alles versehen, was mit Nachrichtentechnik zu tun
hatte, auch, aber nicht nur, im Consumer Bereich. Daher ist die Firmengeschichte
außerordentlich vielfältig und kompliziert. Die Kombinate in der DDR wuchsen mit
den Jahren durch Integration weiterer Firmen und sogar kleinerer Kombinate
beständig an. So wurde z.B. 1979 das Dresdner Kombinat RFT Meßelektronik,
welches mittlerweile nahezu die gesamte Produktion von Messgeräten vereinte, in
das Kombinat Robotron überführt. Die Messgeräte wurden trotzdem teilweise weiter
unter dem Label RFT gefertigt.
Das Kombinat RFT Rundfunk und Fernsehtechnik beschäftigte 1990 insgesamt 23.000
Mitarbeiter.
Das Radiowerk in Leipzig
In Leipzig befand sich eines der vier VEB Sternradiobetriebe. Er ging aus der
1925 gegründeten Dr. Dietz & Ritter GmbH, Fabrik für Radio-Erzeugnisse und
Transformatoren, Leipzig hervor. 1940 entstand daraus die Körting - Radiowerke
Oswald Ritter GmbH, die die bekannten "Körtingradios" produzierte. Sie ging 1948
in den Westen an den Chiemsee. Der Betrieb in Leipzig wurde 1948 enteignet und
1949 in VEB Funkwerk Leipzig umbenannt, später noch einmal in VEB RFT Sternradio
Leipzig. Die Radioproduktion wurde allerdings bereits 1950/51 eingestellt. 1951
ging daraus die Firma VEB Fernmeldewerk Leipzig hervor, die sich nun
hauptsächlich der Produktion von Fernmeldeanlagen widmete, aber auch z.B.
Mikrofone unter der Bezeichnung Kombinat VEB RFT Fernmeldewerk Leipzig'
herstellte. Sie blieb Bestandteil des RFT Firmenverbandes, der seinen Hauptsitz
in der Stadt Leipzig hatte. Ein weiteres Werk in Leipzig der VEB Elektroakustik
Leipzig im Kombinat Sternradio Berlin stellte Plattenspieler her, ebenfalls
unter der Markenbezeichnung RFT.
Das Radiowerk in Staßfurt
Die Stadt Staßfurt hat eine traditionsreiche Geschichte in der Produktion für
Unterhaltungselektronik. 1928 wurde das Werk „Staßfurter Licht- und Kraftwerke
AG, Abt. Radiobau" mit dem Markennamen „Imperial“ gegründet. Hier wurde der
erste Superhet Deutschlands in Serie produziert, und in den dreißiger Jahren die
Empfänger "Staßfurt Imperial" der Spitzenklasse. Nach dem Krieg konnte der
Firmengründer 1948 im westlichen Harzvorland in Osterode eine neue Firma unter
dem Namen Continental - Rundfunk GmbH eröffnen, die 1957 in Konkurs ging und
später in General Electric aufging. Das Staßfurter Werk wurde enteignet und in
"VEB Stern-Radio Stassfurt" umbenannt. Es firmirte damals schon als Bestandteil
der VVB RFT Radio und Fernmeldetechnik Leipzig. Neben dem Staßfurter Betrieb gab
es noch 3 weiter Stern-Radio-Werke in der DDR, u.a. in Berlin, die in einem
eigenen Kombinat organisiert waren. Beliebtestes Produkt war das Transistorradio
Sternchen das seit 1957 im VEB Sternradio Sonneberg in Thüringen und in Berlin
produziert wurde. Im Staßfurter Werk werden ab 1959 bis heute auch Fernsehgeräte
hergestellt. 1962 wurde die Rundfunkgeräteproduktion eingestellt und die Firma
umbenannt in "VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt". Sie hatte jetzt 2500
Beschäftigte. Sie blieb der größte Fernsehempfängerproduzent in der DDR, neben
dem Rafena Werk in Radeberg und dem VEB Robotron der in den 1980er Jahren die
Produktion von portablen TV-Receivern aufnahm. Staßfurt hatte 1988 eine
Jahresproduktion von 500.000 Geräten. Aus dem Staßfurter Werk ging 1990 die
Rundfunk—Fernsehen—Telekommunikation AG Staßfurt hervor. Sie wird bis 1996 fast
vollständig abgewickelt. 1997/98 wurde die RFT-Digital GmbH mit 100 Mitarbeitern
gegründet.
Röhrenproduktion
Ein umfangreiches Kapitel ist die RFT-Elektronenröhrenproduktion in der ehem.
DDR in den RFT-Röhrenwerken. Radioröhren wurden traditionell in Berlin und
später in Mühlhausen in Thüringen aber auch an weiteren Standorten hergestellt.
Als die Produktion von Elektronik- u. Spezialröhren in Westeuropa
heruntergefahren werden musste, zuletzt stellte nur noch Telefunken eigene
Röhren her, ließen fast alle Elektronikkonzerne Röhren, die noch benötigt
wurden, in den Werken der DDR herstellen. Das OSW (Oberspreewerk) Berlin (das
spätere WF-Werk für Fernsehelektronik in der Ostendstrasse in
Berlin-Oberschöneweide), heute zu Samsung gehörig, stellte die legendäre EL 34
her, eine Nachkriegsentwicklung aus der Philips-Linie. Später wurde die
Produktion nach Mühlhausen verlagert und mit Philips-Expertise in den Westen
verkauft. (China, Sowjetunion, Jugoslawien waren Wettbewerber, die auch heute
noch die Röhre herstellen).
Halbleitertechnik und Elektronikhandel
Produktion und Handel mit Elektronik-Bauteilen firmierte unter dem Label
RFT-Electronic. Und auch die Halbleiterproduktion z.B. im VEB Kombinat
Halbleitertechnik Frankfurt/O. firmierte unter RFT-Transistoren.
Messtechnik war eigentlich eine Angelegenheit des Kombinates VEB Meßelektronik
in Dresden. Dennoch finden sich aus der Anfangszeit der DDR z.B.
Widerstandsmessbrücken mit der Bezeichnung VEB RFT Gerätewerk Chemnitz.
Nachrichtentechnik
Professionelle Industrieempfänger, Sende- und Amateurfunkanlagen wurden im RFT
VEB Funkwerk Köpenick in Berlin produziert. Dieses war allerdings nicht Mitglied
des VEB Kombinates RFT Rundfunk und Fernsehen, sondern im VEB Kombinat
Nachrichtenelektronik organisiert. Dort wurden z.B. auch die Laborschaltuhren
RFT Exakt hergestellt. In Berlin-Oberschöneweide befanden sich weitere
Institute, die hauptsächlich Laborgeräte produzierten. Alles unter dem Label RFT
Nachrichtenelektronik. Weitere Werke befassten sich mit Antennenanlagetechnik,
z.B. das Werk Blankenburg, oder der VEB Rafena Werke Radeberg.
Auch unter RFT produzierte der VEB Fernmelde-Anlagenbau Rostock
Schiffselektronische Ausrüstungen.
Computertechnik
war in der DDR eigentlich eine Domäne des VEB Kombinates Robotron. Daneben
stellte aber auch der VEB RFT Mikroelektronik in Mühlhausen, Thüringen,
Homecomputer her.
RFT heute
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das Kombinat aufgelöst und ein
Markenverband unter der Marke RFT gegründet. Diesem gehören eine Reihe von
Produzenten, Dienstleistern und Händlern an. Unter anderem heute noch folgende
Firmen:
Die TechniSat AG Teledigital, ein aufstrebendes Unternehmen aus der Eifel, lässt
heute wieder im Staßfurter Werk Fernsehgeräte produzieren, hauptsächlich 100Hz
Geräte mit Digitaltunern und Multimedia - TV - Geräte. Die Multimediageräte sind
für Breitbandkabelanschluß ausgelegt, so dass sie auch als Computer, mit
DVD-Player und IP-Telefon genutzt werden können. Ab Ende 2005 werden auch Geräte
mit LCD-Display gefertigt. Die Firma setzt auf einheimische Produktion,
produziert also nicht in Fernost oder Anreinerstaaten. Sie produziert in zwei
weiteren Werken im Vogtland und in Thüringen und betreibt eine
Entwicklerschmiede mit 150 Mitarbeitern in Dresden.
RFT Staßfurt global GmbH. Firmensitz Staßfurt
Gegründet 2003 widmet sich die Firma RSB Staßfurt GmbH heute vornehmlich dem
Vertrieb der Fernsehprodukte aus dem Werk Staßfurt.
RFT 2000 GmbH. Firmensitz Staßfurt
Eine weitere Firma, die RFT2000 GmbH, wurde bereits 1999 ausgegliedert, sie hat
sich auf HFC-Netzwerktechnik, Kommunikationstechnik und Informationstechnik im
Service Bereich spezialisiert und hat auch ein Schulungsangebot. Enge
Zusammenarbeit mit der Universität Magdeburg.
RFT radio-television Brandenburg GmbH. Firmensitz Brandenburg an der Havel
Die RFT Brandenburg GmbH betreibt ein Breitbandkabelnetz und ist Anbieter von
Fernsehprogrammen und Internetprovider.
RFT - Multimedia Hausmann & Partner GbR. Firmensitz Magdeburg
Die RFT Mutimedia GmbH ist ein Onlineversender von Netzwerk- und
Computertechnik, Sicherheitstechnik und Antennenanlagen.
Das Institut für Nachrichtentechnik in Berlin-Oberschöneweide wurde 1992 durch
die RFT SEL Nachrichtenelektronik GmbH übernommen, die Ende 1992 in Alcatel SEL
RFT GmbH umbenannt wurde.
Aber auch kleinste Firmen, die heute wieder selbstständig sind, waren
Bestandteil des Kombinates RFT.
Joachim Kiesler, Musikelektronic Geithain, Sachsen
Er war und ist ein Entwickler und Hersteller von Regielautsprechern,
Spitzentechnik für Tonstudios und Sendeanstalten, und produzierte seinerzeit für
RFT auch Stereo-Heimlautsprecher.
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